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«Von einem Masterstudium profitieren alle»

August 2018

In der Schweiz ist man als Physiotherapeut mit einem Bachelorabschluss und einer bestimmten Praktikumszeit befugt, seinen Beruf auszuüben. Julian Müller, Physiotherapeut bei provital, absolviert jetzt mit Unterstützung von Jutta Affolter zusätzlich noch ein Masterstudium. 

Warum braucht es ein Masterstudium für Physiotherapeuten?
Julian Müller: Für mich ist ein Masterstudium wie eine «Zusatzausbildung». Hier lerne ich keine speziellen physiotherapeutischen Handgriffe oder ähnliches, sondern ich setze mich mit forschungsspezifischen Grundlagen auseinander. Nach dem Masterstudium bin ich befugt, Forschung zu betreiben.

Wieso ist Forschung für die Physiotherapie wichtig? 
Die Ausbildung zur Physiotherapeutin bzw. zum Physiotherapeuten hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Heute sind wir hoch spezialisierte Experten für den Bewegungsapparat. Unsere Arbeit ist quasi eine konservative Alternative, manchmal auch  Ergänzung zu Operationen und Medikamenten. Das war nicht immer so. Forschung in der Physiotherapie ist wichtig. Es geht darum, Fachwissen und Techniken zu verbessern und die Wirksamkeit auf der Basis wissenschaftlich anerkannter Methoden nachzuweisen. Als Physiotherapeuten sind wir nahe am Rehabilitationsprozess, da wir die Patienten in regelmässigen Abständen über einen längeren Zeitraum begleiten. Moderne Forschungsansätze sind multidisziplinär. Das heisst, dass aus vielen Berufsgruppen wie Ärzte, Physios, Studynurses, Bewegungswissenschaftler, Ingenieure und Biologen jeweils einige Vertreter im Forschungsprozess involviert sind, um die Fragestellung von vielen Perspektiven zu beleuchten. In diesen Forscherteams sind Physiotherapeuten sehr gefragt.

Wenn man im Masterstudium keine «speziellen Handgriffe» lernt, wie genau profitieren dann Patienten davon?
Eine Patientin wird bei provital gleich gut betreut, unabhängig ob der Therapeut einen Masterabschluss hat oder nicht. Doch es profitieren alle indirekt: In internen Schulungen vermitteln Therapeuten mit einem Masterabschluss das Wissen über die neusten Erkenntnisse. Gemeinsam legen wir fest, was wir fortan in der Praxis umsetzen. Therapeuten mit Masterabschluss stellen so sicher, dass aktuelles Wissen laufend in den Alltag einfliesst. Von aktuellen, wirkungsvollen Therapiemassnahmen profitieren Patienten stark. Und natürlich auch die anderen Physiotherapeuten: Ihr Wissen bleibt so stets aktuell. Es ist gut, wenn neben Jutta Affolter noch eine weitere Person einen Mastabschluss hat.   

Was ist ein typisches Physiotherapie-Forschungsthema?
Ein ganz klassisches Thema ist die Gegenüberstellung von verschiedenen Interventionen. Zum Beispiel die Fragestellung, wie sich ein Knie nach einem vorderen Kreuzbandriss entwickelt, wenn man es a) nur operiert, b) es nur mit Physiotherapie behandelt oder c) operiert und mit Physiotherapie behandelt. Es wird auch zur Prävention viel geforscht: Was soll getan werden, um das Sturzrisiko im Alter zu minimieren? Oder: Was kann ich als Patient tun, um das Risiko für einen Bandscheibenvorfall zu reduzieren? Forschung in der Physiotherapie ist dann erfolgreich, wenn sie Fragen aus der Praxis untersucht und beantwortet. So profitieren alle: Patienten, Physiotherapeuten aber auch Kostenträger von effektiven und wirkungsvollen Therapien.
 

http://www.provital.ch/aktuell/von-einem-masterstudium-profitieren-alle